Mai: negativer Strompreis?

Negativer Strompreis, das klingt merkwürdig. Bekommt man da etwa Geld für seinen Stromverbrauch?

Im Prinzip ja. Dies beruht auf einem Phänomen, das im Sommer in wolkenfreien Mittagsstunden auftritt. Bedingt durch Solaranlagen wird in dieser Zeit weit mehr Strom produziert als verbraucht. In Folge kommt es einem Überangebot an Strom, das deutsche Stromnetz kann diesen nicht aufnehmen. Nun muss man wissen, dass Strom europaweit an der Leipziger Strombörse gehandelt wird. Stromhändler versuchen immer, den Strom an der Börse meistbietend, auch ins europäische Stromnetz, loszuwerden. Bei einem Überangebot müssen sie dabei aufgrund der Regulierung von Angebot und Nachfrage mit ihren Preisen runtergehen, bis sie irgendwann sogar draufzahlen. Das sind die negativen Strompreise. Um diese zu vermeiden, werden etwa PV-Freiflächenanlagen und auch Windkraftwerke reguliert: Sie dürfen ihren Strom zu Spitzenzeiten dann nicht mehr einspeisen. (Die Anlagenbetreiber werden allerdings über die Netzgebühren entschädigt.)

Natürlich könnte man sich fragen, warum die Stromkonzerne dann nicht einfach die fossilen Stromkraftwerke abschalten. Offenbar geht dies aber nicht so einfach, es werden Lieferverträge für Fernwärme zur Begründung angeführt. Vielleicht fehlt es manchmal aber auch am Willen.  

Für Endkunden, welche die Energiewende unterstützen möchten (und sollten), gibt es die Möglichkeit, in Überproduktionszeiten gezielt Strom zu verbrauchen. Also den Geschirrspülautomaten oder die Waschmaschine zwischen 10 und 16 Uhr anstellen oder den Timer entsprechend zu programmieren. Natürlich ist ebenfalls sinnvoll, zur Mittagszeit sein E-Auto aufzuladen und nicht abends oder nachts.

Für immer mehr Menschen lohnt sich ein solches Verhalten auch finanziell, da manche Stromanbieter den Stromverbrauch zu Spitzenzeiten als Gutschrift in der Monatsabrechnung verbuchen. Voraussetzung ist die Ausstattung mit einem Smart-Meter-System und die Wahl eines dynamischen Stromtarifs. Dieser orientiert sich an aktuellen Marktpreisen. Seit 2025 müssen alle Anbieter mindestens einen solchen Tarif anbieten.

Zum Nachlesen: https://www.netztransparenz.de/de-de/Erneuerbare-Energien-und-Umlagen/EEG/Transparenzanforderungen/Marktpr%C3%A4mie/Spotmarktpreis-nach-3-Nr-42a-EEGhttp://Zum Nachlesen: https://www.netztransparenz.de/de-de/Erneuerbare-Energien-und-Umlagen/EEG/Transparenzanforderungen/Marktpr%C3%A4mie/Spotmarktpreis-nach-3-Nr-42a-EEG

(c) Beatrice Wagner

Quelle Foto: Netztransparenz.de