Wer hackt solche Fenster in die Rinde? Fragte ich mich, als ich so ein Stück Rinde im Garten fand.
Eine kurze Recherche ergab: Der Schwarzspecht (Dryocopus martius) hackt auffällig große, oft rechteckige oder quadratische Löcher in Baumrinde und Holz. Er sucht nach Larven, Käfern oder anderen Insekten, die im Holz oder unter der Rinde leben.
Da der Specht das Holz Stück für Stück herausmeißelt, entstehen die charakteristischen rechteckigen oder quadratischen Formen. Andere Tiere wie der Buntspecht machen eher runde Löcher.
Liegen mehrere solch quadratische Löcher untereinander oder nebeneinander, nennt man diese Reihen auch „Spechtschmiede“.

Schwarzspechte zeigen, dass ein intaktes Ökosystem herrscht
Der Schwarzspecht ernährt sich vorwiegend von großen, im Holz wohnenden Insekten und deren Larven. Dazu bearbeitet er mit seinem kräftigen Schnabel morsche Stämme und Baumstümpfe (Totholz). Die alten Baumstümpfe können dabei völlig zerhackt werden. Zudem entrindet er von Insekten befallene Bäume. Die Insekten selbst erbeutet der Schwarzspecht mit der Zunge. Diese ist dünn, platt und hornig mit kurzen Widerhaken am Ende und lässt sich weit nach vorn strecken. So kommt der Schwarzspecht auch an entlegene Beute gut heran.
Totholz spielt nicht nur im Ökosystem Wald sondern auch im Garten eine wichtige Rolle. Es ist Lebensgrundlage für eine Fülle von Tier- und Pflanzenarten. So sind neben dem Specht auch andere Höhlenbewohner wie höhlenbrütende Vögel, Siebenschläfer, Fledermäuse und Wildbienen auf Totholz angewiesen. Auch viele Insekten, Pilze und Kleinlebewesen leben im Totholz und sind für seine Zersetzung wichtig. Dadurch entsteht ein Kreislauf, der auch Schadinsekten im Garten in Schach hält und weitere Nährstoffe freisetzt.
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Von Tine Sprandel, Gärtnern zum Leben
Foto Rinde: ©Tine Sprandel
Foto Schwarzspecht: wal_172619 auf Pixabay