Saisonal zu essen ist das eine. Immer das zu essen, worauf man gerade Lust hat, das andere. Ich schreibe hier jetzt mal ein Plädoyer fürs saisonale Essen, auch wenn es zunächst nach Einschränkung klingt. Naja, das zu essen, was gerade in unserer Region Hochsaison hat und nicht importiert werden muss, ist etwas aus der Mode geraten.
Momentan herrscht ja feinste Erdbeeren- und Spargelzeit. Bald wird sie durch die Kirschenzeit abgelöst. Derzeit wachsen und blühen die Tomaten-, Zucchini-, Erbsen- und Bohnenpflänzchen. Und so unglaublich vieles mehr. Der Sommer bietet eine Fülle und Üppigkeit sondersgleichen! Aber dann kommt der Herbst und weist ganz andere Qualitäten auf: Kürbisse, Birnen, Äpfel, Nüsse, Esskastanien. Und selbst im Winter gibt es von der Natur noch feine Sachen: Kohl aller Arten, sowie Chicorée, Feldsalat, Lagergemüse wie Kartoffeln und Rote Beete. Zum Winterende steigt dann die Freude auf das erste frische Gemüse im Frühling: Bärlauch und Spargel. Der Gemüse-Reigen schließt sich.
Eigentlich ist der Gemüse-Reigen der Natur eine feine Sache. Wenn die Zeit des einen vorbei ist, kommt schon die Zeit des nächsten. Man kann sich eigentlich immer auf etwas freuen. Wenn jede Jahreszeit ihre besonderen Spezialitäten aufweist und wir diese auch respektieren, wird das Leben spannender. Wir gönnen uns nicht dauernd und zu jeder Zeit etwas saisontypisches, sondern genießen, was an der Zeit ist und freuen uns dann auf das nächste.
Eine solche Lebensweise hat Vorteile. Zunächst einmal haben wir immer etwas, worauf wir uns freuen können. Hinzu kommen Umweltvorteile wie kurze Transportwege und Energiesparen. Und dann auch noch, dass mit einem saisonalen Speiseplan die regionalen Bauern und Landwirtschaften gefördert werden, was sinnvoll ist, da sie es sind, die uns im Notfall ernähren, wenn die Globalisierung zusammenbricht (Stichwort Straße von Hormus).
Und dann ist saisonales Essen auch noch fein, frisch und abwechslungsreich. Ja, denn es gibt so viel mehr an saisonalem Gemüse, als wir ahnen. Für mich speziell sind Stangensellerie, Pastinaken, Topinambur oder Pak Choy wunderbare Neuentdeckungen. Sie können asiatisch oder mediterran zubereitet werden, in Kombination mit gefühlten 1.000 Sorten von Linsen, eingewickelt in Wraps, als Auflage von Quiche oder Pizza, oder in ganz neu entdeckten Bowls-Kreationen, Aufläufen und Eintöpfen.
Warum ich eigentlich dieses Plädoyer für saisonales Obst und Gemüse halte? Seit einigen Jahren bin ich Mitglied einer solidarischen Landwirtschaft, der SOLAWI-Isartal. Jede Woche darf ich eine Kiste mit frischem Gemüse in Empfang nehmen. Ein Pamphlet namens Knollenkurier informiert über das, was in der Kiste zu finden ist und bietet immer auch ein Rezept, um den Kisteninhalt zu verwerten.
Mein Verständnis vom Jahresverlauf hat sich damit von Grund auf geändert. Ich freue mich darauf, dass es jetzt Spargel und Tomaten gibt. Danach werde ich mich danach genauso über die Kirschen und das Sommergemüse freuen.
Und wer noch wissen will, was wann seine eigene Saison hat: Hier ist der Bayerische Saisonkalender des BUND Naturschutz: https://www.bund-naturschutz.de/oekologisch-leben/essen-und-trinken/bayerischer-saisonkalender
Die lokale Gemüsekiste der SOLAWI Isartal: https://solawi-isartal.de/
(c) Foto: SOLAWI Isartal | Eva Weigell
© Beatrice Wagner