„Den Garten winterfest machen“, so hieß es im November überall. Was bedeutet das konkret? Den Rasen ein letztes Mal mähen, die Sträucher kurz schneiden, die verblühten Doldengewächse kappen.
Ich selbst nehme dieses gärtnerische Paradigma nicht so genau. Bei mir ragen die vertrockneten Blütenstände der Traubensilber weiter stolz in die Höhe, auch setzen die leuchtendroten Hagebutten der nicht abgeschnittenen Wildrosen Farbpunkte in das Novembergrau oder den Dezemberschnee hinein. Selbst den Sommerflieder vergesse ich dann und wann für den Winter zurechtzustutzen.
Dieses Jahr sah ich nun etwas Wundersames, was ich mir zwar immer gedacht, aber noch nie beobachtet habe: Die Spatzen wagten sich von der nahegelegenen dichten Hecke – ihrer Heimat – in den Fliederstrauch, um dort an den verblühten Blüten zu zupfen. Die Meisen krallten sich in die trockenen Blütenstände der Traubensilberkerze und picken dort etwas heraus. Die Amseln entdeckten die Hagebutten. Die „Unordnung“, die also meinen Nachbarn möglicherweise missfällt, wissen die Vögel zu schätzen.
Und die übrigen Insekten bestimmt auch. Wo sollen denn all die kleinen Lebewesen überwintern, wenn nicht in den abgeblühten Gräsern und Sträuchern, oder auch im liegengelassenen Laub?
Vielleicht geben Ihnen diese Beobachtungen zu denken, sodass auch Sie im nächsten Herbst der Ordnungsliebe widerstehen und der Tierwelt ihre Wintervorräte nicht wegräumen.
Ihre Beatrice Wagner